Welt 16.12.2025
06:50 Uhr

„Ich sollte meine Kinder lieber nicht vergessen“ – So entstand „Kevin – Allein zu Haus“


Seit dreieinhalb Jahrzehnten ist die Kult-Weihnachtskomödie „Kevin – Allein zu Haus“ für viele ein unverzichtbarer Bestandteil der Festtage. Die Dreharbeiten des Klassikers waren nicht immer vergnüglich – denn viele der Szenen wurden für die Beteiligten gefährlich.

„Ich sollte meine Kinder lieber nicht vergessen“ – So entstand „Kevin – Allein zu Haus“

Advent und Weihnachten ist die Zeit der liebgewonnenen Rituale. Für viele sind festliche Dekorationen, ein Adventskranz (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article691c7804bfb7cbd8b9c55126/weihnachtsbraeuche-die-tradition-des-adventskranzes-ist-viel-juenger-als-viele-glauben.html) und ein Weihnachtsbaum dabei unverzichtbare Bestandteile. Plätzchen und Lebkuchen werden gebacken, Weihnachtslieder gehört und gesungen, Weihnachtsmärkte besucht. Für Film- und Serienfans gehören auch alljährliche Kino- und Fernsehklassiker dazu, die man bereits unzählige Male gesehen hat, die aber jedes Jahr erneut großen Spaß machen. Nostalgiker wählen etwa tschechische Märchen-Produktionen (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article254153070/Aschenbroedel-Co-Diese-Klassiker-verzaubern-das-deutsche-Publikum-bis-heute.html) wie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, die legendären ZDF-Weihnachtsserien (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article250511264/Timm-Thaler-Silas-Jack-Holborn-Die-Magie-der-legendaeren-Weihnachtsserien.html) oder „Ist das Leben nicht schön?“ mit James Stewart. Actionfans zelebrieren „ Die Hard – Stirb langsam (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article254168564/Die-Hard-Stirb-langsam-Als-John-McClane-war-Bruce-Willis-nur-sechste-Wahl-aber-wurde-zur-Action-Ikone.html) “. Und auf einen Film können sich fast alle alljährlich einigen: „Kevin – Allein zu Haus“. Die Idee zu jener Komödie, die im November 1990 in den US-Kinos anlief, hatte John Hughes, Produzent und Autor etlicher Komödienklassiker wie etwa „Ferris macht blau“ (1986), als er einen Urlaub vorbereitete. Dem US-Magazin „Time“ berichtete er 2015: „Ich machte gerade eine Liste von Dingen, die ich nicht vergessen wollte. Da dachte ich: ‚Nun, meine Kinder sollte ich lieber auch nicht vergessen.‘ Dann dachte ich: ‚Was wäre eigentlich, wenn ich meinen 10-jährigen Sohn daheim vergessen würde? Was würde der dann machen?‘“ Aus diesem Gedankengang entstand in wenigen Tagen das Drehbuch über den Jungen Kevin McCallister, der mit seinen Eltern, Geschwistern, Cousins und Cousinen eigentlich über Weihnachten nach Paris mitfliegen sollte, im Trubel der Abreise jedoch im Haus der McCallisters in einem Vorort von Chicago vergessen wird und nun einige Tage lang ganz auf sich allein gestellt ist. Und damit nicht genug: Kevin muss das Haus jetzt gegen zwei Einbrecher verteidigen, welche die Abwesenheit der Familie ausnutzen wollen. Um den Film zu realisieren, engagierte Hughes den Autor und Regisseur vieler Teenie-Komödien Chris Columbus, der u.a. 1985 den Hit „Die Goonies“ geschrieben hatte und ab 2001 mit den „Harry Potter“-Verfilmungen enormen Erfolg haben sollte. Columbus überarbeitete das Drehbuch von Hughes, und als Hauptdarsteller des Kevin einigten sie sich auf Macaulay Culkin, mit dem Hughes bereits gearbeitet hatte und der sich gegen hunderte Mitbewerber durchsetzte. Die Einbrecher wurden von Daniel Stern und Joe Pesci gespielt, und die Musik steuerte Meisterkomponist John Williams bei. Das Ergebnis war eine nahezu perfekte Komödie, bei der einfach alles stimmte, wobei sich vor allem Culkin als Idealbesetzung des quirligen kleinen Kevin erwies. Weltweit wurde der Film ein großer Hit an den Kinokassen und ein sofortiger Klassiker, viele Lacher funktionieren auch noch nach dem x-ten Mal. Die Dreharbeiten waren indes nicht immer amüsant gewesen: Denn im Kampf gegen die Einbrecher bedient sich Kevin allerlei comichafter Tricks und konstruiert brachiale Fallen – die im Film in bester „Road Runner vs. Coyote“-Manier nur für Slapstick und Pointen sorgen, in der Realität aber teils schwere Verletzungen anrichten würden oder gar tödliche Wirkung hätten. Die entsprechenden Stunts waren gefährlich, was beim Drehen der Szenen wiederholt für eine eher nervös-gespannte statt ausgelassene Atmosphäre sorgte, obwohl man ja an einer Komödie arbeitete. Einige kleinere Verletzungen konnten dabei nicht verhindert werden; unter anderem biss Pesci bei einer Probe versehentlich zu stark in einen Finger von Culkin – die entsprechende Narbe trägt Culkin bis heute. Daniel Stern musste es derweil über sich ergehen lassen, eine echte Tarantel aufs Gesicht gesetzt zu bekommen. Wegen des großen Erfolges legten die Macher mit mehreren Fortsetzungen nach, wobei Culkin nur im ersten Aufguss „Kevin – Allein in New York“ (1992) wieder die Hauptrolle übernahm. Die Magie des Originals blieb dabei jedoch unerreicht, sodass viele Fans nur dann einschalten, wenn der erste Film wieder im Fernsehen wiederholt wird – alljährlich zu Weihnachten. Sendetermin: Wann und wo läuft „Kevin – Allein zu Haus“ zu Weihnachten 2025 im TV und Streaming? Wie schon in den zurückliegenden Jahren wird „Kevin – Allein zu Haus“ auch zur Weihnachtszeit 2025 im Fernsehen zu sehen sein: Heiligabend, 24. Dezember 2025, um 20.15 Uhr auf Sat.1. Außerdem ist „Kevin – Allein zu Haus“ bei diversen Streaminganbietern verfügbar. Allerdings ist der Film nur bei Disney+ in der Flatrate enthalten. Bei den anderen Streamern wie Amazon Prime Video, Sky, Apple TV oder Rakuten TV ist er zu Preisen ab 3,99 Euro leihweise zu haben. Für WELTGeschichte blickt Martin Klemrath (verlinkt auf https://www.welt.de/autor/martin-klemrath/) neben klassischen historischen Themen auch regelmäßig auf popkulturelle Phänomene vergangener Jahrzehnte zurück. Darunter deutsche Fernsehklassiker (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article246700546/TV-Televoting-Lichttest-und-Ted-Als-das-Fernsehen-interaktiv-wurde.html) und ihre Protagonisten (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article250672302/Fernsehen-Mit-diesem-Fragespiel-fuer-Schnelldenker-begeisterte-Hans-Rosenthal-die-ganze-Familie.html) .